Helios - unterwegs nach utopia


HELIOS – Unterwegs nach Utopia

Wege durch die Renaissance (1485 – 1600)


Das aber ist der Anfang. Flußaufwärts zurück. Wind kommt auf. Ein Sturm, der Sturm vor der Ruhe. Die Reise beginnt…

Beraubt seiner Bücher, will Don Quijote die Welt neu erfinden – als Ritter. Er träumt von Freiheit und Gerechtigkeit, verspottet Kirche, Diktatur und Kapitalismus und predigt den Aufbruch in ein neues goldenes Zeitalter, das auf der sagenumwobenen Insel Utopia zu finden sei. Zusammen mit Sancho Pansa und Dulcinea macht er sich auf die Suche dorthin.

Zuvor wird Don Quijote von Dulcinea noch zum Ritter geschlagen. Er beschwört die Macht der Fantasie, der Liebe und der Poesie als Waffen gegen Gier und Unterdrückung. Die Reise kann beginnen.

Den beiden Weggefährten präsentiert er sich als Kämpfer gegen Krieg, Tyrannei und Privateigentum und zitiert Thomas Morus, den Schöpfer der fantastischen Insel Utopia. In einem lyrischen Traum-Duett huldigt er seine Herrin Dulcinea und den neuen im Mittelpunkt der Welt stehenden Menschen, ganz im Sinne des umtriebigen Renaissance-Humanisten und Menschen-Fürsprechers Pico della Mirandola. Doch Idealismus trifft auf Ernüchterung: Dulcinea und Sancho zweifeln, träumen aber weiter vom Glück. 

Hinter jedem Kreuz steckt der Teufel. Don Quijote erlebt eine Transformation am Himmel – oder doch nur in seinem Kopf? Eine Windmühlen-Szenerie mit grünem Kriegs-Nachthimmel über Bagdad löst sich in Nachtwolken auf. Seine Imaginationen bestimmen den folgenden Dialog mit Dulcinea. Sancho und Dulcinea bleiben skeptisch, aber folgen ihm weiter.

Spiegel- und Engelbilder symbolisieren Selbsterkenntnis und Freiheit. Don Quijote wird zum Ketzer, Dulcinea müde, Sancho hungrig und zynisch. Mit den Waffen der Poesie kämpft er gegen Gewalt und geistige Erstarrung.

Geschichtliche Märtyrer wie Giordano Bruno und Thomas Morus erscheinen. Die Gruppe gerät in groteske, karnevaleske Szenen (Donald-Duck-Parodie), eine Satire auf Konsum, Popkultur und politische Schuld. Don Quijote protestiert gegen Apathie und Machtgier.

Nun kann es nicht mehr weit sein, wittert er das Ziel; das goldene Zeitalter, wo man jene zwei Worte mein und dein nicht kannte. Nur noch über den Fluss, über die Wasser nur.


HELIOS – Unterwegs nach Utopia ist ein poetisch-politisches Theaterstück, das die Figuren Don Quijote, Sancho Pansa und Dulcinea auf eine Reise durch Geschichte, Kunst, Religion und Philosophie schickt. Christoph Klimke, der deutsche Theaterautor und Lyriker verbindet in seinem Stück klassische Motive aus Cervantes’ Don Quijote mit modernen Themen wie Macht, Krieg, Religion, Kapitalismus, Umweltzerstörung und die Suche nach einem utopischen, freien Leben.


Ergänzungen

Die dritte Station des Tiefenrausch-Zyklus handelt von der Zeitenwende an der Schwelle zur Neuzeit.

Christoph Klimke schickt im neuen Stück HELIOS – Unterwegs nach Utopia, die bekannten Figuren Don Quijote, Sancho Pansa und Dulcinea auf ihr gemeinsames Abenteuer – der Suche nach der Insel Utopia. Anders als bei Cervantes liest der Büchernarr Don Quijote bei Klimke nicht ausschliesslich Rittergeschichten sondern auch Schriften von Philosophen, Astronomen und Kosmologen. Zusammen mit seinen Weggefährten macht er sich auf die Suche nach jenem fernen Inselstaat, von dem er so viel gehört und gelesen hat…

Johannes Gutenbergs (1400 – 1468) Erfindung des Buchdrucks ist eine technische Revolution und seine rasche Verbreitung verändert die Welt nachhaltig. Wir stehen am Beginn eines Medienzeitalters mit weitreichenden Folgen. Die Massenproduktion von Büchern ermöglicht nicht nur eine Vermehrung von Wissen, sondern fördert auch Alphabetisierung und wissenschaftlichen Fortschritt.

Der italienische Philosoph Pico della Mirandola (1463 – 1494) prägt mit seinem Text Über die Würde des Menschen das Verständnis des humanistischen Menschenbilds der Renaissance eindrücklich. 1486 unternimmt der hochgebildete Denker den Versuch, die verschiedenen Strömungen der Philosophie zu untersuchen. Dafür entwirft er nicht weniger als 900 Thesen, die er auf einem eigens einberufenen Kongress zur Diskussion stellen will. Doch dazu kommt es nicht – die Kirche untersagt die Disputation. Acht Jahre später stirbt Pico, nur einunddreissig Jahre alt, wahrscheinlich als Opfer eines Giftanschlags.

Mitte des 16. Jahrhunderts eröffnet Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543) in seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium mit dem heliozentrischen Weltbild eine neue astronomische Sichtweise: Fortan steht die Sonne im Zentrum des Planetensystems.

Thomas Morus (1478 – 1535) ist der Autor des 1516 erschienenen Werks Utopia. Darin entwirft er das Bild einer fiktiven Insel, auf der das ideale Staatswesen gelebt wird, und gibt damit dem Begriff der Utopie seinen Namen. Der humanistische Autor aus London ist auch Lordkanzler unter König Heinrich VIII. Seine Standhaftigkeit wird ihm jedoch zum Verhängnis: Heinrich wirft ihn ins Gefängnis und lässt ihn schließlich enthaupten.

Giordano Bruno (1548 - 1600) der italienische Philosoph, Dichter, Mathematiker und ehemalige Dominikanermönch beschäftigt sich intensiv mit Kosmologie und entwickelt Gedanken, die weit über Kopernikus‘ heliozentrisches Weltbild hinausgehen. Bruno vertritt die Vorstellung eines unendlichen Universums mit zahllosen Welten, die von eigenen Sonnen und Planeten bevölkert sein könnten. Wegen seiner unorthodoxen Lehren und seines Bruchs mit dogmatischen Glaubenssätzen gerät er in Konflikt mit der katholischen Kirche wird von der Inquisition in Rom verhaftet, Ketzer verurteilt und 1600 auf dem Scheiterhaufen in Rom hingerichtet.

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